Eine neue psychische Erkrankung wird unter deutschen Tierhaltern immer häufiger beobachtet: Das sogenannte Animal Hording, zu deutsch Tierhortung. Darunter versteht man das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren.


Dabei kann im Prinzip jedes Haustier zum Sammelobjekt werden: Hunde, Katze, Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten, Wellensittiche, Reptilien... In den meisten Fällen werden jedoch Hunde zum Opfer, gefolgt von Katzen.

Die Sucht kann dabei extreme Ausmaße annehmen. Dabei fängt es meistens harmlos an. Aus anfänglich wenigen Tieren werden durch unkontrollierte Vermehrung oder ständige Neuanschaffungen immer mehr. Betroffene, übrigens meistens Frauen, werden der Situation nicht mehr Herr, was zu einer Verwahrlosung der Tiere sowie der gesamten Wohnung führt. Sie werden oft nicht mehr ausreichend gefüttert und gepflegt, die Wohnung verdreckt durch die Ausscheidungen der Tiere. In den Wohnungen von Animal Hordern werden in manchen Fällen sogar mehrere hundert Tiere gefunden. Nicht selten sind auch Kadaver dabei.

Hinter dem Animal Hording stecken meistens andere psychische Probleme, die von den Tieren kompensiert werden sollen. Viele Betroffene leben allein und haben wenige oder keine sozialen Kontakte. Die Tiere werden angeschafft, um die Einsamkeit zu füllen. Meistens verlieren die Erkrankten den Bezug zur Realität: Sie nehmen das Problem als solches gar nicht wahr und sind sogar oft noch der Ansicht, dass sie ihren Tieren etwas Gutes tun und bei ihnen besser aufgehoben sind als woanders. Dass ihre Haustiere krank, verdreckt und abgemagert sind und der Boden mit Kot bedeckt, blenden viele Animal Horder aus.

Oftmals bleibt das Animal Hording von der Umwelt sogar lange unbemerkt. Erst wenn Nachbarn oder Passanten, z.B. durch Gestank oder Hundebellen, aufmerksam werden und das Veterinäramt, Polizei oder Tierschutzvereine in Kenntnis setzen, kommt das ganze Ausmaß ans Tageslicht, was für die Beteiligten oft aufgrund des Zustandes der Tiere und der Wohnung eine Zumutung ist und sie vor große logistische und finanzielle Probleme stellt. Die Tiere werden dann meistens in den örtlichen Tierheimen untergebracht.

Mit Haltungsverboten, Auflagen und regelmäßigen Kontrollen versucht man zu verhindern, dass nach der Wegnahme das Animal Hording wieder von vorne losgeht. Leider beseitigt dies aber nicht das ursächliche Problem und oft finden Betroffene trotzdem Möglichkeiten, wieder neue Tiere zu horten. Wie bei jeder anderen Sucht kann den Betroffenen erst die Erkenntnis, dass ihr Verhalten krankhaft ist, und die Teilnahme an einer Therapie helfen. So schlimm es für die Tiere ist, auch der Mensch ist krank und braucht Hilfe.

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