Wenn sich ein Hund kratzt, ist das nicht in jedem Fall ein Zeichen für eine behandlungsbedürftige Krankheit. Knabbern und Kratzen gehören bei den Vierbeinern zur normalen Körperpflege dazu. Ebenso bauen sie auf diese Weise sozialen Stress ab oder zeigen dieses Verhalten als Übersprungsreaktion, wenn sie keine Ahnung haben, was ihr Besitzer eigentlich gerade von ihnen will. Doch woran kann ein Tierhalter erkennen, ob es normales oder krankhaftes Kratzen ist?

 

Sobald kahle oder blutige Stellen auf der Haut entstehen, sollte das Tier selbstverständlich vom Tierarzt untersucht werden. Natürlich muss man es nicht erst soweit kommen lassen, denn oft reicht schon bloßes Beobachten des Hundes aus, um der Ursache für den Juckreiz auf den Grund zu gehen.
Kratzt sich ein Hund überwiegend bei sozialer Interaktion, spricht dies für eine Übersprungshandlung. Bearbeitet er sein Fell hingegen hauptsächlich in Ruhe und hört damit auf, sobald er angesprochen wird, spricht das für einen echten Juckreiz. In diesem Fall ist ein Besuch beim Tierarzt angeraten.

 

Wie beim Menschen gibt es auch beim Hund viele mögliche Ursachen für Juckreiz. Der richtigen auf die Schliche zu kommen, ist oft nicht einfach und mitunter auch ein langwieriges Unterfangen.

 

Neben Flöhen, unterschiedlichen Milbenarten, Insektenstichen, Pilzinfektionen und Entzündungen, können auch Futtermittelallergien, Flohspeichelallergie, Kontaktallergien und Umweltallergene wie Haustaubmilben und Pollen für den Juckreiz verantwortlich sein. Auch entzündete Analbeuteldrüsen oder durch andere Krankheiten bedingte Sekundärinfektionen können die Ursache sein.

 

Das Wissen um die Problematik der Hautkrankheiten bei Tieren hat sich im Laufe der Zeit extrem vergrößert, so dass sich einige Tierärzte mittlerweile ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen. In schwerwiegenden Fällen können Tierärzte somit also zu speziell weitergebildeten Hauttierärzten überweisen.


Tierdermatologen nehmen sich viel Zeit um die Leidensgeschichte des Tieres möglichst komplett zu erfragen. Je mehr sich die Halter auf das Gespräch vorbereitet haben, umso besser.

Fragen nach Auslandsaufenthalten, Wurmkuren, den genauen Lebensumständen und verwendeten Futtermitteln sollten beantwortet werden können. Für gewöhnlich führt der Arzt dann Hautbiopsien durch, um eventuelle Parasiten oder Erreger zu ermitteln. Dazu wird mit einem Skalpell eine Gewebeprobe der obersten Hautschicht abgeschabt, die dann unter dem Mikroskop untersucht werden kann.

In vielen Fällen kann die Biopsie einen entscheidenden Hinweis auf die Krankheitsursache und die anschließenden Behandlungsmöglichkeiten geben.

 

Allergien

Wie auch beim Menschen, haben die Allergien bei Tieren in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Das liegt zum einen daran, dass allergiegefährdete Hunderassen wie der Mops immer mehr in Mode kommen, aber auch daran, dass Allergien immer häufiger erkannt werden. Nicht nur die zunehmende Umweltverschmutzung, sondern auch immer bessere hygienische Bedingungen in unserem Lebensumfeld sind für die starke Zunahme von Überreaktionen des Immunsystems auf eigentlich harmlose Reize bei Mensch und Tier verantwortlich.

 

Wie auch der Mensch, reagieren Hunde auf unterschiedliche Ursachen allergisch. Die drei Allergiegruppen bei Hunden sind die Futtermittelallergie, die Flohspeichelallergie und die Umweltallergie.
Für Umweltallergene besonders empfängliche Hundereassen wie Deutsche Schäferhunde, Labradore und Retriever, reagieren dann auf Hausstaubmilben, Gräser, Baumpollen und andere Stoffe, die in einem durchschnittlichen Haushalt anzutreffen sind. Problematisch an dieser Art der Allergie ist, dass man fast nirgendwo vor ihnen sicher ist und ihnen auch nicht wirklich aus dem Weg gehen kann.

 

Pollen, Schimmelpilze und Hausstaubmilben gelangen nicht über die Atemluft in den Körper, sondern werden direkt über die Haut aufgenommen.

 

Flohspeichelallergie

Wie gravierend ein einziger kleiner Floh sein kann, zeigt sich am Beispiel der Flohspeichelallergie. Hunde kratzen sich teilweise blutende Wunden, die sich bakteriell infizieren können, nur weil sie alle paar Wochen einmal von einem der kleinen Quälgeister gebissen worden sind. Besonders der Rücken und die Kruppe werden von Flöhen bevorzugt befallen.

 

Flohbefall ist oft leicht erkennbar, entweder durch direkte Flohsichtung oder dessen Kot. Kämmt man das Fell des Hundes mit einem feinen Kamm und gibt den dabei gefundenen schwarzbraunen, feinkrümeligen Flohkot auf ein feuchtes Stück Toiletten- oder Küchenpapier, so löst sich dieser auf. Übrig bleibt ein kleiner Blutfleck. In diesem Fall ist es mehr als wahrscheinlich, dass der Hund einen ungebetenen Untermieter beherbergt.

 

Hunde werden meist von Katzenflöhen befallen. Deswegen sollten alle im Haushalt lebenden Katzen mitbehandelt werden. Die meisten Flöhe verstecken sich übrigens nicht am Tier selbst, sondern an seinem Schlafplatz, in Teppichen und Sofaritzen. Es reicht also nicht aus, nur das Tier zu entflohen. Auf lange Sicht ist es also empfehlenswert, einen Haushalt mit Tieren so einzurichten, dass alles leicht zu reinigen ist um die Verbreitung von Parasiten schon im Vorhinein zu erschweren.

 

 

Futtermittelallergien machen nur ca. jede zehnte der diagnostizierten Allergien aus. Viele der Allergene stellen auch für Menschen häufig ein Problem dar. Soja, Fisch und Eier, aber auch Schweine-, Rindfleisch und Getreide können Beschwerden auslösen.

 

Auch wenn Hunde auf ähnliche Allergene wie Menschen reagieren, so äußern sich ihre Beschwerden jedoch anders. Im Gegensatz zum allergischen Schnupfen beim Menschen und tränenden Augen oder Reizhusten, zeigt der beste Freund des Menschen seine Allergie meistens nur in Form von Hautproblemen. Auch sich wiederholende Ohrentzündungen ohne äußerlich erkennbaren Grund können auf eine Allergie zurückzuführen sein. Von allergischem Juckreiz besonders häufig betroffene Stellen sind beim Hund das Gesicht und die Pfoten, sowie der Bauch und die Achseln.

 

Um den möglichen Allergenen auf die Spur zu kommen werden ähnliche Testungen angewendet wie in der Humanmedizin. Dabei wird beobachtet, auf welche unter die Haut injizierten Stoffe es innerhalb einiger Minuten zu einer Quaddelbildung kommt.
Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit das Blut des Vierbeiners zu untersuchen. Allerdings eignet sich diese Methode nicht für Futtermittelallergien. Diese lassen sich einzig und alleine zuverlässig mit Hilfe der Ausschlussdiät ermitteln.

 

Leider sind Allergien nicht heilbar, jedoch in vielen Fällen behandelbar. Neben der Vermeidung der Allergene, besteht noch die Möglichkeit auf eine Hyposensibilisierung. Auch Kortisone und Antihistaminika können zum Einsatz kommen. Die passende Behandlung ist in jedem Fall absolut individuell auf die Bedürfnisse des Tieres abzustimmen und nicht jede Behandlung, die bei dem einen Hund Erfolg hatte, hilft auch jedem anderen.


Hautprobleme durch Hormonstörungen

Auch Hunde können an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, welche sich entscheidend auf die Fellqualität auswirkt. Trockene Haut, schütteres und stumpfes Fell sind die Erkennungsmerkmale dieser Störung.
Auch Tumorerkrankungen der Hoden, Eierstöcke oder der Hirnanhangdrüse führen zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt und bewirken Veränderungen der Haut, sowie Haarausfall und Hautinfektionen.

 

Pilzinfektionen

Meistens sind es Hefe- oder Fadenpilze, die den Hund plagen. Fadenpilze sind vorwiegend in Ohren und Gesicht zu finden. Welpen sind davon häufiger betroffen als ausgewachsene Hunde. Vor allem der Fadenpilz Mikrosporum canis ist ein häufiger Vertreter, der sowohl für kreisrunden Haarausfall als auch für schütteres, fettiges und schuppendes Fell verantwortlich ist. Hundehalter sollten sich der Ansteckungsgefahr bewusst sein, insbesondere Kinder sind vor diesem Pilz nicht sicher.

 

Riecht die Hundehaut nach ranzigem Öl, ist sie gerötet, schuppt und hat eine fettige Oberfläche, dann handelt es sich meistens um eine durch Hefepilze ausgelöste Malassezia-Dermatitis. Häufig tritt diese Erkrankung bei bereits abwehrgeschwächten Tieren auf.

 

Milben

Sarcoptesmilben (Sracoptes scabiei, Räudemilben), Cheyletiellamilben, Demodexmilben (Demodex canis, auch Haarbalgmilbe genannt), Ohrmilben (Otodectes cynotis) und Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis) sind die für Juckreiz verantwortlichen winzigen Spinnentiere, die sich in die Haut des Hundes graben oder festbeißen.

 

Die für die Sarcoptes-Räude verantwortliche Sarcoptesmilbe (auch als Grabmilbe bekannt) wird durch infizierte Hunde oder Füchse übertragen. Sie bohrt Gänge in die oberen Hautschichten, in denen sie ihre Eier ablegt, was zu einem starken Juckreiz führt.


Die Chetyletiellamilbe lebt hingegen auf der Hautoberfläche und ist sogar mit bloßem Auge erkennbar. Wenn der Rücken des Hundes voller Hautschuppen ist, befindet sich mit großer Wahscheinlichkeit die auch für den Menschen problematische Chetyletiellamilbe auf dem Tier. Beim Menschen führt diese Milbenart zu stark juckendem Hautausschlag, der Mückenstichen ähnelt.

 

Nur unter dem Mikroskop erkennbare Demodexmilben verstecken sich in den Haarfollikeln und Talgdrüsen von fast allen Hunden, denn in geringer Anzahl gehört diese Milbenart zur normalen Hautflora. Die durch die zigarrenförmigen Parasiten ausgelöste Demodikose, ein kreisrunder Haarausfall mit starkem Juckreiz, wird erst bei immungeschwächten Tieren ein Problem. Aber auch bestimmte Hunderassen sind dafür empfänglich. Die Milben werden bereits in sehr jungem Welpenalter - vermutlich beim Saugen vom Muttertier auf die Welpen - übertragen. Eine spätere Übertragung von Hund zu Hund ist hingegen unwahrscheinlich.

 

Die Herbstgrasmilbe, auch Herbstmilbe, Heumilbe oder Grasmilbe genannt, hat nichts mit der an Pflanzen saugenden Grasmilbe zu tun. Die sechsbeinigen Larven der Herbstgrasmilbe lösen nicht nur beim Menschen die sogenannte Erntekrätze aus, sie befallen auch durch Wiesen streifende Säugetiere wie Mäuse, Katzen und Hunde. Es handelt sich bei ihnen um Wirbelparasiten, die sich in die Haut bohren und dort saugen. Dafür werden vor allem Stellen mit dünner Haut ausgesucht, etwa in den Ohrfalten und dem Ohrrand, der Ellebogenbeuge, dem Kopf, dem Bauch und die empfindliche Haut zwischen den Zehen. Die winzigen orangefarbenen Larven lauern im Herbst, vor allem an besonders warmen Tagen, auf Grashalmen ihrem neuen Wirt auf.

 

Ähnlich wie Zecken, saugen sie sich so lange voll, bis sie das Mehrfache ihrer ursprünglichen Größe erreicht haben und lassen sich dann fallen, um im Boden eingenistet zur erwachsenen achtbeinigen Milben heranzuwachsen. Jedoch saugt diese Milbenart kein Blut, sondern die durch ihren Speichel aufgelöste oberste Zellschicht. Dieser Vorgang ist mit einem so heftigen Juckreiz verbunden, dass die betroffenen Tiere sich durch extremes Kratzen und Lecken großflächige blutende Wunden zufügen können. Häufig wird dadurch die Diagnose erschwert, weil die wie Blütenstaub aussehenden Milbenlarvennester nicht mehr mit bloßem Auge erkannt werden können.

 

Beim Befall mit Herbstgrasmilben handelt es sich um einen temporären Zustand. Sobald die Milbenlarven den Hund wieder verlassen haben, ist mit einem Nachlassen der Symptome zu rechnen. Manche Hunde überstehen eine Infektion ohne großen Juchreiz, weswegen auch nicht notgedrungen eine Behandlung durchzuführen ist.
Der Tierhalter kann dem Parasitenbefall allerdings auch vorbeugen. Zum einen, indem er Wiesen mit hohem Gras als Auslauffläche meidet, zum anderen im heimischen Garten den Rasen kurz hält und den Rasenschnitt entsorgt, da die Milbenlarven an den Spitzen der Grashalme sitzen.

 

Sollte es den Vierbeiner dann doch erwischt haben, können Medikamente, die auch gegen Zecken und Flöhe eingesetzt werden, Wirkung zeigen, ebenso wie Shampoos gegen Parasiten. Bei besonders empfindlichen Tieren kann eine lang andauernde Behandlung mit Tabletten und Spritzen während der ganzen Milbensaison nötig sein.

 

Wie man sieht, ist das Thema Juckreiz bei Tieren sehr komplex und sollte im Zweifelsfalle immer tierärztlich abgeklärt werden, um unnötiges Leid zu verhindern.

 

Dieser Text wurde von Annika Adler exklusiv für tiere-wissen.de verfasst.

 

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