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Wie das SF (Schweizer Fernsehen) berichtete, soll es eine Alternative zum Maulkorb geben: Einen Zahnüberzug aus Thermoplast. Der Erfinder heißt Tim Saciri.


Das Drama um den sechsjährigen Süleyman, der Ende 2005 im schweizerischen Oberglatt von drei jungen Pitbulls zu Tode gebissen wurde, habe den Buchhalter eines Nachts nicht schlafen lassen. Da er zu dem Zeitpunkt selber eine Zahnschiene gegen Zähneknirschen trug, kam ihm die Idee, einen Zahnüberzug für Hunde zu entwickeln.

Der Zahnüberzug soll verhindern, dass die Haut bei einem Hundebiss durchtrennt wird. Gemeinsam mit seiner Frau Rusha, die von Beruf Zahntechnikerin ist, stellte er aus Thermoplast verschiedene Zahnschutzprototypen aus den Modellen von Hundegebissen her. Die Hunde, von denen die Abdrücke genommen wurden, stammen aus dem Tierheim in Lausanne. Dort testete er auch die entwickelten Prototypen.

Bisse von Hunden, die einen solchen Zahnüberzug tragen, könnten nach Aussage von Professor Samuel Debrot, Präsident des Tierschutzvereins des Kantons Waadt, schlimmstenfalls zu einer Prellung führen. Blutige Wunden seien nicht mehr möglich.

In einem Pilotprojekt die Universität Bern wird nun mit Armeehunden getestet, ob die Hunde den Zahnüberzug akzeptieren und wie sich dieser auf das Verhalten auswirkt. Auch der Beißdruck der Hunde soll gemessen werden, um wissenschaftliche Angaben zur Wirksamkeit des Zahnüberzugs machen zu können

Nachtrag (8. Juni 2009):
Mittlerweile werden auch kritische Stimmen laut, die in den Zahnüberzügen keinen Ersatz zum Maulkorb sehen.

Die Verhaltenstierärztin Linda Hornisberger, die zusammen mit Experten der Universität Bern den Beißschutz in einer Pilotstudie an vier Hunden testet, kritisiert in einem Interview, das auf der Internetseite des Bundesamtes für Veterinärwesen BVET veröffentlicht wurde,
die verherrlichende Berichterstattung in den Medien. Sie sieht darin nicht die Lösung für gefährliche Hunde und betont, dass "die Sozialisierung des Hundes und die Ausbildung des Halters" im Vordergrund stünden.

Weiterhin sagt sie, dass es Hinweise dafür gebe, dass der Beißdruck durch die Überzüge sogar noch verstärkt und die Beißhemmung abnehmen würde. Für die Hunde ist der Zahnüberzug außerdem unangenehm: Sie würden stärker speicheln und versuchen, den Beißschutz abzustreifen.

Außerdem lässt es sich nicht jeder Hund gefallen, den Zahnüberzug einzusetzen. Frau Hornisberger hält es daher für zu gefährlich, aggressiven Hunden den Beißschutz einzusetzen.

Da noch viele Fragen bezüglich der Zahnüberzüge offen sind, rät die Verhaltenstierärztin daher zur Vorsicht: "Die Hundehalter sollten sich unbedingt vorab mit einem qualifizierten Verhaltensspezialisten absprechen."

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