Drucken

Man könnte fast neidisch werden: Während unsereins die düsteren und kalten Wintermonate irgendwie über die Runde bringen muss, können viele Tiere sich einfach eine Auszeit gönnen. Was für uns vielleicht eine schöne Vorstellung ist, ist für viele Wildtiere jedoch eine Lebensnotwendigkeit.

Während des Winters finden sie keine Nahrung mehr und würden bei normaler Aktivität sterben. So hat sich die Natur etwas Tolles einfallen lassen: Der Stoffwechsel wird während der Wintermonate gedrosselt, so dass die Tiere weniger Energie, also auch Nahrung benötigen. Zuvor fressen sich die meisten Tiere außerdem noch eine ordentliche Fettreserve an.
Der Stoffwechsel wird jedoch nicht bei allen Tieren gleichermaßen runtergefahren. Man unterscheidet zwischen einer Winterruhe, einem Winterschlaf und einer Winterstarre.

Winterschlaf

Beim Winterschlaf wird der Stoffwechsel stark gedrosselt, d.h. die Körpertemperatur sinkt stark ab und auch die anderen Körperfunktionen (Herz, Atmung, Blutdruck, Harnbildung...) laufen nur noch auf Sparflamme. Zu den Winterschläfern zählen kleinere Tiere, wie z.B. Murmeltiere, Siebenschläfer, Igel, Spitzmäuse und Fledermäuse.

Murmeltiere halten in Gruppen Winterschlaf 
©
Claus Bachmann

Winterschlaf bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass die Tiere den kompletten Winter über durchweg schlafen. Je nach Tierart, sind sie zwischendurch immer mal wieder wach, um z.B. den Schlafplatz zu wechseln. Die angelegten Fettreserven werden nach und nach aufgezehrt. Die Dauer des Winterschlafes ist von Tier zu Tier unterschiedlich.

Während manche nur 2-3 Monate ruhen, verschlafen andere, wie z.B. der Siebenschläfer (der siebenmonatige Winterschlaf war hier sogar der Namensgeber), mehr als die Hälfte des Jahres. Hamster schlafen ebenfalls sehr lange, fressen aber immer mal zwischendurch von ihren gesammelten Nahrungsvorräten.

Einen sogenannten „sozialen Winterschlaf“ halten z.B. Murmeltiere. Sie verbringen die kalten Monate eng zusammengekuschelt in einem Gemeinschaftsbau mit bis zu 20 Artgenossen. Dieser energieeffiziente Winterschlaf erhöht vor allen Dingen für Jungtiere die Chance, den Winter zu überleben.

Winterruhe

Andere Tiere, wie z.B. Eichhörnchen, Dachse und verschiedene Bären-Arten halten nur eine Winterruhe. Diese grenzt sich vom Winterschlaf dadurch ab, dass bei einer Winterruhe die Körpertemperatur kaum herabgesetzt wird. Die Herzfrequenz verringert sich jedoch ebenfalls. Die Winterruhe unterscheidet sich vom Winterschlaf außerdem durch häufigere Wachphasen, in denen die Tiere ihre Position verändern. Tiere, die nur eine Winterruhe halten, legen sich meistens in ihrer Höhle Nahrungsvorräte an, von denen sie in den Wintermonaten immer mal wieder was fressen.
Unerklärlich war lange Zeit, wie es der Braunbär schafft, viele Monate zu überwintern, ohne einen starken Muskelabbau zu erleiden. Wissenschaftler fanden schließlich heraus, dass Braunbären ihre Muskeln mit Eiweißen versorgen. Die Eiweiße werden aus eingelagertem Stickstoff gewonnen, welcher wiederum aus dem nicht ausgeschiedenen Harn gespalten wird. Außerdem zittern sie während der Winterruhe mehrmals am Tag unwillkürlich, wodurch ihre Muskeln offenbar trainiert werden.

Winterstarre

Mit einer Winter- bzw. Kältestarre trotzen viele wechselwarme (poikilotherme) Tiere - wie Insekten, Schnecken, Reptilien, Amphibien und Fische - den kalten Monaten. Weil ihr Körper selber keine eigene Körperwärme produziert, passt sich die Temperatur der Tiere an die Umgebungstemperatur an. Dadurch wird es möglich, dass ihre Körpertemperatur so niedrig ist, dass sie komplett erstarren. Um sich vor dem Frost zu schützen, gibt es unterschiedliche Strategien. Viele Tiere überwintern in einem frostsicheren Versteck. Andere, wie z.B. viele Insekten, verfügen über eine Art „Frostschutzmittel“ im Blut, so dass ihre Körperflüssigkeit nicht friert.

Nebenwirkung: Gedächtnisverlust

Auch wenn die genannten Überwinterungsstrategien vielen Wildtieren das Überleben sichern, so hat man doch einen negativen Effekt festgestellt. An der Universität Wien fanden Wissenschaftler an Zieseln heraus, dass das Gedächtnis während des Winterschlafes gelitten hat. Aufgaben, die sie vorher erlernt hatten, konnten sie danach nicht mehr lösen.

 
Joomla SEO by AceSEF