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Hamster gelten in vielen Augen immer noch als das ideale Einsteigerhaustier für Kinder. Preiswert in der Anschaffung, durch die kurze Lebenserwartung von durchschnittlich zwei Jahren eine zeitlich überschaubare Verantwortung und eine zuckersüße Optik – das sind oberflächlich betrachtet gute Gründe, sich so ein kleines Nagetier ins Haus zu holen.

Kinder springen sofort auf die bärenähnliche Optik im Miniaturformat an und unterschätzen dabei allerdings die besonderen Bedürfnisse und Eigenschaften, die so ein nachtaktiver Einzelgänger mit sich bringt. Was sind die kritischen Punkte, die man vor dem Kauf auf jeden Fall bedenken sollte?

Punkt 1: Der Schlaf-Wach-Rhythmus
Hamster sind nachtaktiv, das heißt, sie werden so langsam munter, wenn das Menschen
kind müde wird. Oft neigen Kinder dazu, den Hamster einfach tagsüber zu wecken um mit ihm spielen zu können. Augenscheinlich macht dies vielen Hamstern auch nicht viel aus, jedoch sollte jedem Hamsterhalter bewusst sein, das ein gestörter Schlaf auf Dauer dem Organismus Schaden zufügen kann. Auch Hamster produzieren Stresshormone, die sich nicht unbedingt förderlich auf die Lebenserwartung auswirken. Außerdem kann ein gestresster Hamster auffällige Verhaltensweisen entwickeln, aggressiv werden, beißen, zwicken oder einfach krank werden. Kindern sollte man von Anfang an klar machen, dass das Tier genau wie sie selbst auch einen ungestörten Schlaf brauchen um gesund bleiben zu können. Wenn ein Kind noch nicht dazu bereit ist den andersartigen Tag/Nacht-Rhythmus zu akzeptieren, sollte von einer Anschaffung generell abgesehen werden.

Punkt 2: Der Einzelgänger
Auch wenn viele Tiergeschäfte das Gege
nteil behaupten: Hamster sind, zumindest nach der Geschlechtsreife, absolute Einzelgänger. Dies gilt für Mittelhamster, also Goldhamster, Teddyhamster etc. genauso, wie für Zwerghamster. Letztere werden oft immer noch in Gruppen gehalten, was in vielen Fällen auch gut gehen kann, sofern genug Rückzugsraum für jedes Tier zur Verfügung steht. Allerdings bedeutet dies nicht, dass das Zusammenleben für die kleinen Nager angenehm ist. Häufig berichten Halter von mehreren Zwerghamstern von heftigen Auseinandersetzungen, die urplötzlich wie aus heiterem Himmel auftreten und nicht selten zu schlimmen Verletzungen führen. Dem Tier zuliebe: Einzelhaft!

Punkt 3: Kleines Tier, kleiner Käfig?

Nimmt man die in Zoofachhandlungen angebotenen Hamsterkäfige unter die Lupe, wird man als Laie vermutlich zu 100 % die falsche Wahl treffen. Das Problem: In den gängigen Geschäften gibt es einfach keine artgerechten Käfige. Die drei Hauptprobleme: Zu viel Plastik, zu viele Ebenen, zu geringe Grundfläche. Hamster laufen in der freien Natur jede Nacht etliche Kilometer. Dieses Verhalten legen sie auch in Gefangenschaft nicht ab. Ein Laufrad, welches unbedingt zur Grundausstattung jeder Hamsterbehausung gehören sollte, kann dieses Bedürfnis zum großen Teil befriedigen, jedoch einen genügend großen Käfig zum wühlen, graben und e
rkunden nicht völlig ersetzen. Da Hamster zwar begeisterte, jedoch leider relativ untalentierte Kletterer sind, sollte der Käfig eine Grundfläche ab 100 x 40cm haben und möglichst flach sein. Wenn Ebenen eingebaut sind, sollten sie so angeordnet werden, dass Stürze aus größerer Höhe nicht möglich sind. Hohe Gitterkäfige mit mehreren Plastikebenen, wie sie oft in hübschen bunten Farben im Fachhandel angeboten werden, sind in der Regel für Hamster ungeeignet. Eine ideale Hamsterbehausung lässt sich mit etwas handwerklichem Geschick und Ideenreichtum z.B. aus einem alten Aquarium selber bauen. Ein großer Vorteil ist die enorme Füllhöhe für Streu und Bodensubstrat, welche für das Anlegen von Gängen und unterirdischen Futterkammern ideal ist. Außerdem ist das Beobachten des Tieres durch die Glasscheiben für Kinder einfacher als durch Gitterstäbe. Stichwort Beobachten: diesen Punkt sollte man sich vor dem Hamsterkauf absolut bewusst machen! Ein Hamster ist kein Schmusetier, sondern ein Tier zum Beobachten.

Punkt 4: Kein Hamster aus dem Baumarkt
Es ist verlockend… während Vater nach Rasenmähern schaut, verlieben sich die Kinder in ein kleines, flauschiges Tierchen. Leider haben diese Tiere einige entscheidende Nachteile. Zum einen stammen sie in der Regel aus Massenzuchten aus dem Ausland, werden dann stundenlang per LKW befördert und kommen letztendlich völlig verstört in irgendeinem Baumarkt an. Viele davon sind viel zu jung von der Mutter getrennt worden, weisen schon frühzeitig seltsame Verhaltensauffälligkeiten auf und haben die Hand eines Menschen noch nie aus der Nähe gesehen. Gerade letzteres stellt ein großes Problem dar. Hamster aus kleinen Privatzuchten kommen in der Regel schon sehr früh mit dem Menschen in Kontakt und erleben eine Menschenhand sehr bald als ungefährlichen Futterspender und somit als etwas Positives, was man nicht attackieren muss. "Baumarkthamstern" fehlt diese Prägung, was eine erfolgreiche Zähmung oft erheblich hinauszögert, wenn nicht sogar auf Dauer unmöglich macht.

Kindern sollte bewusst sein, dass Hamster trotz ihrer süßen Optik einen wilden Kern haben und das Zusammenleben mit ihnen oft nicht einfach ist!

Text und Bilder wurden von Diplom-Sozialpädagogin Annika Adler
exklusiv für tiere-wissen.de zur Verfügung gestellt.

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