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Mit steigender Popularität der sogenannten Nano-Aquarien – das sind quaderförmige kleine Aquarien mit einem Volumen von etwa 10 – 60 Liter – erfreuen sich nun auch kleine Wasserbewohner, die früher eher ein Schattendasein fristeten, immer größerer Beliebtheit.

Dazu zählen vor allen Dingen die Zwerggarnelen. Die maximal 4-5 cm kleinen Krebstiere (Crustacea), deren bekanntester Vertreter die Red-Fire-Zwerggarnele (Neocaridina heteropoda) ist, kommen in einem eigenen Artenbecken, in dem sie die Hauptdarsteller sind, oftmals erst so richtig zur Geltung.

Yellow Fire Zwerggarnele
Yellow Fire Zwerggarnelen
 

Anatomie
Garnelen zählen wie alle Krebstiere zu den Wirbellosen (Invertebrata). Sie werden durch einen Panzer vor äußeren Einwirkungen geschützt. Dieser muss wie ein Kostüm, das nicht mehr passt, regelmäßig durch Häutungen erneuert werden.

Der Garnelen-Körper setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Dem Vorderkörper (Cephalothorax), bestehend aus Kopf- und Brustbereich und dem Hinterleib (Abdomen, Pleon), der mit dem Schwanzfächer abschließt.

Die Anatomie von Zwerggarnelen ist gar nicht so simpel wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint. Am auffälligsten an Zwerggarnelen sind ihre großen gestielten Augen. Die Facettenaugen können unabhängig voneinander bewegt werden und ermöglichen ihnen so einen Rundumblick.

Garnelen haben des Weiteren zwei Antennenpaare, mit denen sie riechen, schmecken und tasten können. Unter dem ersten Antennenpaar befindet sich das Gleichgewichtsorgan.

Die Beine von Zwerggarnelen sind je nach Funktion unterschiedlich geformt. Unter dem Brustpanzer befinden sich fünf Beinpaare, weshalb Zwerggarnelen zu den Zehnfußkrebsen (Decopoden) zählen. Bei den vordersten beiden Beinpaaren handelt es sich um Scheren. Damit halten sie ihre Nahrung fest und zerkleinern sie. Es folgen drei Schreitbeinpaare, die der Fortbewegung auf Flächen wie etwa Boden und Pflanzen dienen.

Am Hinterleib befinden sich die Schwimmbeine (Pleopoden). Diese werden schnell hin- und herbewegt, um Antrieb zu gewinnen. Wenn die Garnele sitzt oder läuft, sind die Schwimmbeine normalerweise „eingeklappt“. Weibliche Zwerggarnelen befestigen an den Schwimmbeinen ihre Eier.

Die inneren Organe wie Herz, Harnblase und Geschlechtsorgane sowie Teile des Verdauungssystems befinden sich im vorderen Teil der Garnele. Im Hinterleib liegt der Hauptmagen und der Darm. Bei relativ transparenten Zwerggarnelen wie z.B. White Pearl kann man gut den „Füllstand“ des Darms sehen.

Der Laichansatz des Weibchens bildet sich im Nackenbereich. Die Geschlechtsöffnungen befinden sich auf der Bauchseite.
Zwerggarnelen haben kein zentrales Gehirn. Stattdessen verfügen sie über Nervenknoten (Ganglien), die über ein strickleiterförmiges Nervensystem miteinander verbunden sind.
 
Verbreitung
Viele Zwerggarnelen-Arten haben ihren natürlichen Ursprung im asiatischen Raum. Sie leben dort in Bächen und Flüssen. Die genaue Herkunft vieler Zwerggarnelen-Arten ist oft unbekannt. Viele Zuchtformen wurden von Züchtern in Japan und Taiwan entwickelt.

Lebenserwartung
Die meisten Zwerggarnelen haben eine Lebenserwartung von 1,5 bis 2 Jahren.

Welche Garnele soll es sein
Von Aquaristik-Händlern und Privatzüchtern werden unterschiedliche Zwerggarnelen-Arten angeboten. Einige Arten werden mittlerweile in vielen verschiedenen Farbformen gezüchtet.

Wichtig ist, dass die Wasserwerte den Ansprüchen der jeweiligen Garnelen-Art genügen. Es ist es daher vorab ratsam, die Werte des örtlichen Leitungswassers zu ermitteln. Meistens sind diese auf der Internetpräsenz des Wasserversorgers zu finden. Wichtige Parameter sind hier vor allen Dingen Karbonhärte (KH), Gesamthärte (GH) und der pH-Wert.

Neocaridina-Arten wie Red Fire, Yellow Fire und Red Rili haben in der Regel einen großen Toleranzbereich, was bedeutet, dass sich das Leitungswasser in den meisten Fällen eignet. Garnelen der Gattung Caridina benötigen meistens jedoch verhältnismäßig weiches Wasser und einen niedrigeren PH-Wert. Die optimalen Wasserwerte für die jeweilige Garnele kann einfach im Internet oder einschlägiger Literatur recherchiert werden. Wenn das Leitungswasser den Ansprüchen der Wunsch-Garnele nicht gerecht wird, gibt es die Möglichkeit die Werte anzupassen, indem man das Leitungswasser mit destilliertem Wasser oder Osmosewasser verschneidet.

Vergesellschaftung
Innerartlich: Zwerggarnelen sollten nicht alleine gehalten werden. Im Regelfall ist es sogar so, dass die Tiere bei geringer Anzahl zurückgezogener leben und man als Halter nicht sehr viel von ihnen sieht. Ca. 10 Tiere sollten es schon mindestens sein. Dabei sollte man bedenken, dass sich einige Garnelen-Zuchtformen untereinander vermehren können, da sie der gleichen Art angehören oder eng miteinander verwandt sind. Bei solchen Verpaarungen (z. B. Red Fire x Yellow Fire) kann das dazu führen, dass man mit der Zeit nur noch Garnelen hat, die der bräunlichen Wildform ähneln, was für viele Halter sowohl optisch kein Highlight ist als auch die Verkaufschancen drastisch senkt. Im Internet finden sich Kreuzungstabellen, denen entnommen werden kann, welche Garnelen-Arten sich erfolgreich verpaaren können.

Mit anderen Garnelen-Arten: Dies ist zwar möglich, jedoch kommt es oft vor, dass eine Garnelen-Population die andere mit der Zeit verdrängt.

Schnecken: Eine Vergesellschaftung mit Schnecken ist in der Regel unproblematisch und erweist sich meistens sogar als nützlich, da sie – je nach Schneckenart - Algen und Futterreste beseitigen. Oftmals werden sowieso über die Pflanzen bereits Schnecken, insbesondere Blasenschnecken,  eingeschleppt. Eine Massenvermehrung muss man aber normalerweise nicht fürchten, wenn man nicht zuviel füttert. Hin und wieder dienen kleine Schnecken den Garnelen auch als Snack.
Sehr zu empfehlen sind Turmdeckelschnecken, die den Bodengrund auflockern und so Fäulnisherden vorbeugen.
Geweihschnecken befreien die Oberflächen von Algen, jedoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es sich hier, ebenso wie bei Rennschnecken und einigen anderen Schnecken, um Wildfänge handelt.

Fische: Eine Vergesellschaftung ist häufig möglich, jedoch machen sich die meisten Fische über den Garnelen-Nachwuchs her, so dass unter Umständen eine Nachzucht gar nicht möglich ist. Auch kann es sein, dass die Garnelen um ihrer Sicherheit Willen versteckter leben. Wichtig ist auch, dass berücksichtigt wird, ob die jeweiligen Fische sich für die gewählte Aquariengröße eignen. Von einer Haltung von Fischen in Nano-Aquarien von 10-30 Litern ist in den meisten Fällen, bis auf wenige Ausnahmen, abzuraten.

Zwergflusskrebse: Hier ist es ähnlich wie bei Fischen. Besonders beliebt ist die Vergesellschaftung mit dem Orangenem Zwergflusskrebs Cambarellus patzcuarensis (kurz: CPO). Jedoch gibt es gerade bei diesen Exemplare mit ausgeprägtem Jagdverhalten. In Erwägung gezogen sollte die Vergesellschaftung nur bei ausreichend dimensionierten Aquarien mit vielen Versteckmöglichkeiten.

Das richtige Aquarium
Wer mit der Haltung von Zwerggarnelen liebäugelt, muss sich zunächst für ein geeignetes Aquarium entscheiden. Wichtig zu wissen ist: Je kleiner das Aquarium, umso instabiler sind die Wasserwerte und umso schneller können sich Probleme ausbreiten. Anders als man vielleicht denken mag, ist daher gerade die Pflege von Nano-Aquarien oftmals verhältnismäßig aufwändig.

Der nächste Punkt ist die Technik. Das Becken sollte über einen Filter verfügen. Hier gibt es verschiedene Systeme, die ihre Vor- und Nachteile haben. Da dieses Thema recht komplex ist, möchten wir an dieser Stelle nicht näher drauf eingehen.
Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass keine Garnelen in den Filter gelangen können. Insbesondere für Jungtiere kann ein Filter schnell zur Todesfalle werden, weil sie durch den Filterstrom angesaugt werden.

Auch wenn für die Garnelen-Haltung ansich normales Zimmerlicht ausreichen würde, wird dennoch eine zusätzliche Lichtquelle für ein gutes Pflanzenwachstum benötigt. Meistens werden Leuchtstofflampen verwendet, mittlerweile gibt es jedoch auch Lösungen im LED-Bereich.

Eine Heizung braucht man für die meisten Zwerggarnelen nicht, wenn das Aquariumwasser zimmerübliche Temperaturen von ca. 20°-22°C aufweist. Hier sollte man sich jedoch im Einzelnen informieren, da einige Arten wie z. B. die Kardinalsgarnele wärmere Temperaturen benötigen.

Im Handel gibt es mittlerweile taugliche Komplettsets, die, mit Ausnahme der Einrichtung, alles beinhalten, was man für die Garnelen-Haltung benötigt.

Einrichtung

Was die Einrichtung betrifft, sind Garnelen wenig anspruchsvoll und man kann der eigenen Kreativität weitestgehend freien Lauf lassen.

Als Bodengrund eignet sich unter anderem Kies und Sand. Was die Bepflanzung angeht, so sind insbesondere feinfiedrige Pflanzen für Garnelen zu empfehlen. Besonders Moos sollte in keinem Garnelen-Becken fehlen. Da sich dort viele Mikroorganismen ansiedeln, wird es von den Garnelen mit Vorliebe unermüdlich abgeweidet. Den Kleinsten dient es zugleich als Versteckmöglichkeit.

Schnellwüchsige Pflanzen wie Wasserpest und Hornkraut lassen Algen von Anfang an keine Chance. Alle Pflanzen sollten vor dem Einsetzen mehrere Tage lang gewässert werden. Dies ist wichtig, um Düngemittel und Pestizide, auf die Garnelen sehr empfindlich reagieren, auszuspülen.

Steine und Wurzeln sind nicht nur dekorativ, sondern bieten Besiedlungsfläche für Bakterien, die als Filter und Nahrung für die Garnelen dienen. Bei Steinen ist darauf zu achten, dass sie das Wasser nicht mehr als gewünscht aufhärten. Wurzeln und Äste müssen normalerweise vor dem Einsetzen gewässert werden, damit sie das Wasser nicht so stark verfärben und absinken.

Ganz wichtig: die Einfahrphase
Nachdem das Aquarium eingerichtet und mit Wasser befüllt wurde, ist nun die Geduld des zukünftigen Garnelen-Halters gefragt. Eine Einfahrphase von mehreren Wochen ist wichtig, damit sich Bakterien bilden können, die das schädliche Nitrit in Nitrat umwandeln. Sind diese Bakterien noch nicht in ausreichender Form vorhanden, so kommt es zu einem Anstieg des Nitrit-Wertes, der für vorhandene Aquarienbewohner gefährlich werden kann. Aus diesem Grund sollte man 2-4 Wochen abwarten bis die Garnelen einziehen dürfen.
Schnecken kann man jedoch bereits nach etwa einer Woche einsetzen.

Eingewöhnung und Umsetzung
Hat man die Einfahrphase abgewartet und sind alle Werte im grünen Bereich, steht dem Einzug der Garnelen nichts im Wege.
Garnelen sind sehr empfindlich, was plötzliche Veränderungen der Wasserwerte angeht. Durch zu schnelles Umsetzen können sie z. B. an Schockhäutungen versterben.
Aus diesem Grund sollten sie langsam an das neue Wasser gewöhnt werden, indem über ca. zwei Stunden kleine Mengen des neuen Aquariumwassers zum Transportwasser hinzugegeben werden. Die Zugabe kann über einen dünnen Schlauch erfolgen, der mittels einer Klemme tröpfchenweise Aquariumwasser abgibt.

Ernährung

Zwerggarnelen sind Allesfresser und haben als solche ein großes Nahrungsspektrum. Wenn man sie beobachtet, wird man feststellen, dass ihre Scheren nahezu unermüdlich in Bewegung sind, um Aufwuchs, Mulm und Detritus nach Nahrung zu durchforsten.

In einem Garnelen-Becken sollte sich immer etwas Laub befinden wie etwa getrocknete Eichen-, Buchen- oder Walnussblätter, die im Herbst gesammelt werden. Auch in der Natur stellt Laub in Bächen und Flüssen oftmals die Hauptnahrungsquelle für Zwerggarnelen dar. Das Laub einiger Bäume enthält zudem einen großen Anteil an Huminsäure, der eine desinfizierende Wirkung auf das Wasser zugesprochen wird. Besonders Seemandelbaumblätter und Erlenzapfen sind hier zu nennen.

Ob und wieviel darüber hinaus zugefüttert werden sollte, kann nicht pauschal beantwortet werden, da dies vom Besatz, der Einrichtung und anderen Faktoren abhängig ist. Falls im gleichen Becken auch Fische gepflegt werden, ist in den meisten Fällen ein Füttern der Garnelen unnötig, da sie über das Fischfutter ausreichend Nahrung erhalten.

Der Handel bietet mittlerweile eine große Palette an industriellem Fertigfutter für Garnelen an, die die Tiere mit allem versorgen, was sie brauchen. Eine tägliche Fütterung ist jedoch in den meisten Fällen übertrieben und belastet das Wasser unnötig.

Als Snack können auch diverse Salate und Kräuter gereicht werden. Hier sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass sie frei von Schadstoffen wie Pestizide und Düngemitteln sind. Gut eignen sich z. B. getrocknete oder frische überbrühte Brennessel-, Spinat- und Löwenzahnblätter. Auch kleine Gemüsestücke wie z. B. von Zucchini oder Gurke können verabreicht werden. Reste, die nach ein paar Stunden noch übrig sind, sollten unbedingt wieder entfernt werden, damit das Wasser nicht zu stark belastet wird.

Fortpflanzung/Zucht
Mit den passenden Wasserwerten, der richtigen Ernährung und der Abwesenheit von Fressfeinden vermehren sich die meisten Zwerggarnelen problemlos. Dies gilt besonders für einige Garnelen-Arten, wie etwa die Red Fire Garnele, die nicht umsonst als Invasionsgarnele bezeichnet wird.

Ein befruchtungsfähiges Weibchen erkennt man am Laich, der sich im Nackenbereich des Tieres bildet. Dieser so genannte Eifleck ist bei den meisten Zuchtformen gut sichtbar.

Wenn das Weibchen mit befruchtungsfähigen Eiern sich nun häutet, werden Lockstoffe ans Wasser abgegeben, die die Männchen animieren, das Weibchen aufzusuchen, um sich mit ihm zu paaren. Dies kann zu einem regelrechten Tumult im Aquarium führen. Die Männchen versuchen, sich im Nackenbereich des Weibchens, festzuhalten. Dies ist nicht ganz einfach, da die Weibchen die Annäherungsversuche zunächst abwehren. Hält das Weibchen schließlich still, so rutscht das Männchen seitlich an ihm herab und heftet Samenpakete an die Geschlechtsöffnung des Weibchens. Einige Stunden später, wenn es nicht mehr von den Männchen andauernd belästigt wird, drückt das Weibchen ihre Eier aus dem Nackenbereich durch die Geschlechtsöffnung zu den Schwimmbeinen, wo sie von einem klebrigen Sekret zusammengehalten werden. Auf dem Weg dorthin werden sie von den Spermatophoren befruchtet.

Was die weitere Entwicklung angeht, muss man bei Garnelen zwischen zwei Fortpflanzungstypen unterscheiden:
Bei Garnelen des spezialisierten Fortpflanzungstyps wie etwa Red Fire und Crystal Red werden nach etwa 3-4 Wochen 20-40 kleine Garnelen entlassen. Diese sind zwar winzig, aber bereits kleine Ebenbilder der ausgewachsenen Garnelen. In einem gut eingelaufenem Becken sollten sie genug Nahrung finden, so dass für die Aufzucht keine besonderen Maßnahmen notwendig sind. Bei starkem Besatz oder in sehr sauberen mulmfreien Becken ist es unter Umständen empfehlenswert, sie in der ersten Zeit zusätzlich mit speziellem Staubfutter zu versorgen.

Komplizierter ist die Nachzucht von Garnelen des primitiven Fortpflanzungstyp, wozu beispielsweise Amano- und Nashorngarnelen zählen. Die geschlüpften Tiere durchlaufen hier zunächst ein Larvenstadium, in dem sie durchs Wasser treiben und sich von Schwebstoffen ernähren. Hinzu kommt, dass in der Natur ein Großteil dieser Larven Meerwasser benötigt, da sie in der Natur flussabwärts Richtung Meer treiben. Will man Garnelen dieses Fortpflanzungstyps vermehren muss dies mittels eines separaten Meerwasser-Aufzuchtbeckens nachgestellt werden. Die Nachzucht von Garnelen des primitiven Fortpflanzungstyps ist also alles andere als einfach und erfordert viel Know How.
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