Xylit, auch Xylitol genannt, hat sich in den letzten Jahren als zahnfreundlicher Zuckerersatz ein Randgruppendasein am Süßungsmittelmarkt erarbeitet. Der von dem Nobelpreisträger Emil Fischer bereits im Jahre 1890 entdeckte Zuckeraustauschstoff mit der karieshemmenden Wirkung, trägt als Lebensmittelzusatz die Bezeichnung E 967. Auch ist er unter dem Namen Pentanpentaol oder Birkenzucker bekannt. Xylit ist ein natürlicher Zuckeralkohol und kommt, ähnlich wie Sorbitol, in vielen Früchten und Gemüsesorten vor, allerdings wird er auch im menschlichen Zuckerstoffwechsel auf natürliche Weise gebildet.

Industriell wird der Birkenzucker durch chemische Umwandlung aus dem Holzzucker Xylose gewonnen. Da dieser Prozess sehr aufwändig ist, handelt es sich um einen vergleichsweise teuren Zuckeraustauschstoff. Neben der Rinde von Birken und Buchen werden vor allem Reste von Maiskolben und andere Reste von Getreidepflanzen genutzt.

Zu finden ist Xylit vor allem wegen seiner zahnpflegenden Wirkung in Kaugummis, Zahnpasta, Mundspülungen und Bonbons, aber aufgrund seiner dem normalen Haushaltszucker ähnlichen Backeigenschaften vermehrt auch in Gebäck und anderen Süßigkeiten.

Da der Zuckeraustauschstoff beim Menschen nur geringen Einfluss auf die Insulinproduktion und nur halb so viele Kalorien wie normaler Zucker hat, ist er das ideale Süßungsmittel für Diabetiker. Doch was des einen Freud, ist des anderen Leid. In diesem Fall ist der leidtragende der Hund! Kurz gesagt: Xylit ist für Hunde lebensgefährlich! Was für die meisten anderen Tiere ungefährlich ist, stellt für den besten Freund des Menschen eine echte Gefahr dar. Denn anders als Menschen und viele andere Tiere, reagieren Hunde nach Verzehr von schon geringen Mengen Birkenzucker mit einer extremen Insulinausschüttung und daraus resultierender Unterzuckerung, welche unbehandelt zum Koma und Leberversagen mit anschließendem Tod führen kann.

Jeder Hundebesitzer weiß, wie gerne manche Vierbeiner Essensreste aus der Küche, dem Mülleimer oder von Gästen stibitzen. Manchmal fällt auch aus Versehen ein Stückchen Kuchen oder ein Keks auf den Boden, den ein Hund natürlich in Windeseile verschlingen kann.

Das Worst-Case-Szenario: Das heruntergefallene Stück Kuchen stammt von einem Diabetikerkuchen, der mit Xylit gebacken wurde. Wenn das Stück Kuchen nur 15 g Zuckeraustauschstoff beinhaltet, kann das schon das Todesurteil für Hunde unter einem Gewicht von 30 kg sein. Als Faustregel kann man sagen: 0,1g Xylit pro Kilogramm Körpergewicht des Hundes stellen eine Gefahr dar. Das heißt für einen großen Hund mit 30 kg Gewicht können schon 3g lebensgefährlich sein. Mengen von 0,5g Xylitol pro kg Körpergewicht können akutes Leberversagen auslösen. Zur Verdeutlichung der Dimensionen: Ein Zahnpflegekaugummi wiegt 1 g und besteht zu 30 - 70% aus Xylit. Das heißt, bei einem 10 kg schweren Hund können schon 7 gefressene Kaugummis zu schweren Leberschäden führen und 2 Stück lebensbedrohliche Symptome einer Unterzuckerung hervorrufen.

Aber wie in der Natur üblich: es lässt sich nichts verallgemeinern. Ausnahmen kann es immer geben. So überstehen manche Hunde eine Xylitdosis, die einen anderen Hund fast umbringt, ohne irgendeinen Schaden zu nehmen. Trotzdem sollte man als verantwortungsbewusster Tierhalter natürlich nicht das Glück herausfordern und zum Wohl des Hundes lieber nicht vom absoluten Glücksfall ausgehen. Selbst wenn man als Hundebesitzer im eigenen Haushalt auf Xylit als Süßungsmittel verzichtet um unnötiger Gefahr aus dem Weg zu gehen, so besteht bei Besuchen außer Haus natürlich trotzdem die Gefahr einer Vergiftung, falls durch all zu sorglosen Umgang mit gesüßten Lebensmitteln der Hund die Gelegenheit findet, für ihn ungeeignete Nahrung zu fressen. Freunde und Bekannte sollten über die Gefahren von Xylit für Hunde informiert werden, damit entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden können.

Doch was ist zu tun, wenn der Hund trotz allem aus Versehen etwas Xylithaltiges gefressen hat? Und woran erkenne ich, dass mein Hund heimlich etwas Gefährliches zu sich genommen hat? Zeigt der Hund Symptome wie:

  • Schwäche
  • Bewegungsstörungen
  • Lethargie Erbrechen
  • Seitenlage
  • Stupor (Erstarren)
  • Koma
  • Zittern
  • Herzrasen
  • Krampfanfälle
  • eventuell akute Gelbsucht

muss umgehend ein Tierarzt aufgesucht oder der Tiernotdienst gerufen werden, damit eine sofortige Entgiftung und eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels erfolgen kann. Frühzeitig herbeigeführtes Erbrechen kann unter Umständen verhindern, dass der Birkenzucker vom Darm resorbiert wird. Dies sollte allerdings nie auf eigene Faust versucht werden, sondern muss medikamentös vom Arzt eingeleitet werden. Das Wichtigste ist das schnelle Handeln! Krampfanfälle können bereits 30 min nach Xylitkonsum beobachtet werden, während Leberschäden bereits nach 1 bis 2 Stunden auftreten können.

Fazit: Auch wenn Xylit für den Menschen einen gesundheitlichen Nutzen hat und sogar vom menschlichen Körper auf natürliche Weise gebildet wird, hat es in einem Hundemagen absolut gar nichts verloren! Im Notfall zählt jede Minute!

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